Wenn es im Tunnel oder in der Tiefgarage brennt

 

Im Versuchsstollen Hagerbach setzten Empa-Forscher gemeinsam mit unserem Tunnelsicherheitsexperten Lars Derek Mellert Batteriezellen von Elektroautos in Brand, analysierten die Verteilung von Russ und Rauchgasen sowie die chemischen Rückstände im Löschwasser.

Nachdem A+W bereits vor zwei Jahren ein innovatives Experiment zur Analyse der Rauchgasemissionen von Elektrofahrzeugbränden in Strassentunneln umgesetzt hat, sind wir wieder in den Untergrund zurückgekehrt. Gemeinsam mit Forschern der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), der Versuchsstollen Hagerbach AG sowie des Centre d'études des tunnels (CETU) haben wir unsere Versuchsreihe fortgesetzt und erneut auf experimentelle Weise E-Fahrzeugbatteriebrände in einer tunnelspezifischen Umgebung untersucht. Den Fokus haben wir dieses Mal aber auf die nachgelagerten betrieblichen Risiken gerichtet, die durch Kontaminationen in allen unterirdischen Infrastrukturen entstehen können.

Die Studie kommt zum Schluss, dass eine technische Beeinträchtigung (bspw. durch Korrosionen) sowohl in Tunneln als auch in Parkhäusern praktisch ausgeschlossen werden kann. Die neuartigen Batterieemissionen werden aber zu Kontaminationen führen, die in toxikologischer Hinsicht für die Entsorgungsarbeiten von Bedeutung sind. Insbesondere die anfallenden Lösch- und Kühlwässer sind stark kontaminiert: deren Konzentrationen von Lithium und der Schwermetalle Kobalt, Nickel und Mangan überschreiten die Grenzwerte für die Einleitung in die Kanalisation um ein Vielfaches. In kleineren Infrastrukturen ohne mechanische Lüftung ist zudem mit Schwermetallkonzentrationen in den Brandrückständen zu rechnen, die Grenzwerte um den Faktor 4'000 übersteigen. Unsere Analysen unterstreichen die zentrale Bedeutung einer professionellen Dekontamination nach einem E-Fahrzeugbrand; zudem leiten wir unter anderem zwei dringende Empfehlungen ab:

- Zwingender Rückhalt sowie umwelt- und fachgerechte Entsorgung von Löschwasser gemäss geltenden Vorgaben

- Definition eines sicheren Umgangs mit Kühlwasser und dringende Praxisumsetzung

"Im Kontext der sich verändernden Mobilität unterstützen die vorliegenden Erkenntnisse einerseits Einsatzkräfte in der zukünftigen Ereignisbewältigung; sie vermögen aber auch Betreiber von unterirdischen Verkehrsinfrastrukturen für die Veränderung der Gefährdungssituation zu sensibilisieren." Lars Mellert

Kontakt

lars.mellert(at)amstein-walthert.ch

Telefon +41 44 305 98 64

Forschungsbericht

LD Mellert, U Welte, M Tuchschmid, M Held, M Hermann, M Kompatscher, M Tesson, L Nachef;

Risikominimierung von Elektrofahrzeugbränden in unterirdischen Verkehrsinfrastrukturen (deutsch)

Risk minimisation of electric vehicle fires in underground traffic infrastructures (englisch)

Bundesamt für Strassen (Astra), August 2020.

Publikationen

Medienmitteilung des Bundesrats, Portal der Schweizer Regierung

Medienmitteilung der EMPA (DE, EN und FR)

Internationale Publikationen