BIM: Traditionen brechen - offen denken

22.08.2016 - Am 18. August hat Amstein + Walthert Bern zum traditionellen Sommerapéro mit Impulsreferat ins Kulturcasino Bern eingeladen. Die Einladung klang vielversprechend, mit dem Referat von Fritz Häubi sollte endlich ein Licht auf das Thema BIM geworfen werden. Dieser viel genutzte Begriff sollte fassbar werden und viele Fragen beantworten. Gut 200 Gäste sind der Einladung gefolgt und waren interessiert daran, ihr Wissen rund um Building Information Modeling (BIM) zu erweitern.

Thomas Grogg, CEO von Amstein + Walthert Bern begrüsst die Gäste und stellt bereits zu Beginn fest: „Alleine BIM zu betreiben geht nicht. Nur gemeinsam können wir von BIM reden“. Dies bestätigt auch der Gastreferent Fritz Häubi von Tromlitz Häubi GmbH mehrfach in der nächsten knappen Stunde. Zudem hält er auch gleich zu Beginn fest, dass BIM lediglich die Werkzeuge seien und nicht die Methode oder Arbeitsweise. So wurden begriffliche Schwammigkeiten eliminiert und es konnte sichergestellt werden, dass alle im Raum auf demselben Stand waren. Ebenfalls zentral sei, dass wir uns vom 2-dimensionalen Zeichnen lösen, hin zum Denken in Modellen. „BIM bedeutet mehr denken“ betont Häubi mehrfach. Die Denkarbeit zu Beginn eines Projektes sei essentiell und zwingend auch im grossen Projektteam mit allen Beteiligten notwendig.

BIM nicht gleich 3D-Visualisierungen
Bei BIM geht es nicht darum, aus herkömmlichen CAD Plänen am Schluss ein schönes 3D Modell berechnen zu lassen. Der Weg der Digitalisierung und BIM ist der umgekehrte. Es wird in Arbeitsgruppen definiert, wer, was, wann, in welchem Umfang benötigt. Aufgrund von diesen Ergebnissen wird ein erstes digitales, 3-dimensionales Modell erstellt. Dieses Modell stellt nun den Rahmen für die Planung des Projektes und wird interdisziplinär genutzt. Aus dem Modell können auf Wunsch die 2-dimensionalen Pläne gezogen werden und herkömmlich an die Handwerker, Architekten oder Bauherren abgegeben werden.

Klare Vorteile während der Planung
BIM beginnt ohne Computer und im Kopf der einzelnen Akteure. Eine initiale Denkarbeit und Offenheit von alten Traditionen abzuweichen, sind zwingend für ein erfolgreiches Projekt. Wenn die Planung erst mal läuft, sind klare Vorteile spürbar. So können beispielsweise sämtliche Situationen im Modell simuliert werden, Brandschutz, Fluchtpläne (Menschenströme), Wärmesimulation etc. Auch Bauvorgänge können simuliert werden und es ist möglich, bereits im Vorfeld zu erkennen, welche Bauabschnitte zu Engpässen führen werden oder wo besondere Vorsicht geboten werden muss. „Eine integrale Planung bedeutet auch höhere Effizienz“ ist sich Häubi sicher.

Traditionen brechen - offen denken

Die Baubranche verspricht sich mit der Digitalisierung effizienter zu werden. Eine latente Angst um Arbeitsplätze in der Branche ist ebenfalls gegenwärtig. Doch Fritz Häubi beruhigt und bringt neue Aspekte in den festlichen Saal des Kulturcasinos an diesem Donnerstagabend. „Wir müssen erkennen, dass uns mehr oder weniger gute Traditionen Schranken auferlegen und nur wir diese Schranken brechen können“, nur so hätte die Branche eine reale Zukunft. Mit alten Mustern brechen und in neuen Dimensionen denken: „Es werden nicht Arbeitsplätze gestrichen, es werden in Zukunft nur andere Anforderungen an diese Jobs gestellt.“ Innovative Mitarbeitende und motivierte Denkerinnen und Denker werden für ein Unternehmen plötzlich enorm an Gewicht gewinnen.

IT ist gefordert
Dieses erwartete freie Denken und Arbeiten, fordert nicht nur die Mitarbeitenden selber, sondern stellt auch die IT Abteilungen und die Geschäftsleitungen vor neue Herausforderungen. Es müssen Arbeitsumfelder geschaffen werden, die von den heutigen abweichen. Mobile Stationen und Projekträume seien zentrale Bestandteile von erfolgreichen Projekten, wie Häubi an Beispielen demonstriert. Ausserdem sei ein weiteres Zauberwort die Transparenz. Alle Beteiligten sollen Zugriff auf alle Informationen haben, nur so könnten Fehler vermieden werden. Es muss ein Miteinander anstelle von Nacheinander oder schlimmsten Falls sogar Gegeneinander stattfinden.

Finalisierend gibt auch Häubi dem Publikum etwas Bekanntes mit auf den Weg: Die Branche darf nicht erst beginnen, wenn alles zu 100% stimmt. Ein bisschen mehr Silicon Valley Mentalität würde der Schweizer Baubranche nicht schaden. Die Planung der Planung ist zentral und Zielformulierungen müssen gemacht werden. Als Unternehmen heisst das für Häubi:
„Ich brauche Visionen. Ich brauche motivierte ArbeitnehmerInnen. Ich brauche einen Vorgehensplan. Was will ich? Wer macht mit und wie erreiche ich das Ziel?“ Es müsse auch mal gewagt werden, Worte sollen endlich zu Taten werden. Denn fünf BIM unterstützende Softwares alleine bringen noch kein BIM-Projekt. Aber fünf motivierte Mitarbeitende können die erste Denkarbeit für ein BIM-Projekt leisten.