Ein « Big BIM » Projekt

Der Neubau am Inselspital in Bern ist eines der ersten BIM-Projekte, die in der Schweiz geplant und realisiert werden. Das Berner Inselspital gleicht derzeit einer einzigen riesigen Baustelle. Der Vergleich mit einer Operation am offenen Herzen könnte treffender nicht sein, denn hier entsteht unter anderem das neue Schweizer Herz- und Gefässzentrum. In einem mehrstufigen Grossprojekt werden ganze Teile des bestehenden Spitals rückgebaut, neu erstellt und die räumlichen Möglichkeiten erweitert.

Für die Planung und Realisation des aktuellen Neubaus, dem Baubereich 12, hat sich die Planergemeinschaft Archipel zusammengeschlossen. Sie besteht aus den beiden Berner Büros GWJ Architektur und IAAG Architekten sowie dem Kölner Architekturbüro Astoc. Amstein + Walthert ist bei dieser Operation mittendrin und ist stolz bei diesem « Big BIM » Projekt an vorderster Front mitzuwirken.

Das grösste BIM-Projekt der Schweiz

Die Neugestaltung des Inselspitals bei laufendem Spitalbetrieb ist derzeit wohl eines der grössten und anspruchsvollsten Bauprojekte, die von Anfang an mit BIM geplant werden. Seit rund zwei Jahren läuft die Planung dieses Baubereiches. Das Team von Amstein + Walthert plant sämtliche Gewerke der Gebäudetechnik: Heizung, Lüftung/Klima, Sanitär, Gebäudeautomation, Brandschutz, Sicherheit sowie die anspruchsvolle gewerbliche Kälte. Zudem leitet Amstein + Walthert auch die Fachkoordination und mit unserem Partnerbüro Reflexion kommt auch die Lichtplanung aus unserer Feder. Robert Porsius, Gesamtprojektleiter von Amstein + Walthert Bern und Mitglied der Geschäftsleitung erklärt wie es zu Beginn des Projektes viele Fragen gab: «Beim Start des Projektes forderte die Bauherrschaft BIM Planung als Stand der Technik und stellte uns vor eine grosse Herausforderung. Niemand der Beteiligten hatte Erfahrung darin vorzuweisen und trotzdem hatten alle eine eigene Idee wie es funktionieren müsse.  Spannend war dann die Herangehensweise und das nahe Zusammenarbeiten unter allen Beteiligten. Eine Erfahrung die zum Erfolg wurde» Zafer Bildir, Dipl.-Ing. Architekt AKNW und als Bereichsleiter Architektur und Koordinator in der Planergemeinschaft Archipel tätig erzählt wie dies gemeistert wurde: «Das Wichtigste war, dass vom ersten Tag an nicht nur die Generalplaner, sondern auch die Gebäudetechniker aus allen Sparten und die Spitalplaner in das Projekt involviert waren und am gleichen Tisch sassen.» Etwa 100 Personen sind derzeit in die Planung dieses Megaprojektes involviert. Es ist vorgesehen, dass Anfang 2017 die Baubewilligung vorliegen sollte und ab kommendem Juni die eigentliche Bauphase starten kann.

Kompetenzzentrum Amstein + Walthert

Für Amstein + Walthert ist « Big BIM » und diese Art des Planens und Bauens nicht eine Spezialdisziplin oder Zukunftsmusik. Wir glauben daran, dass dies der einzige Weg sein wird, wie Projekte künftig erfolgreich umgesetzt werden. Wir stehen am Anfang der digitalen Transformation der Schweizer Bauwirtschaft. Für diejenigen, die sich darauf einlassen, ist es eine natürliche Evolution. Für die Anderen, die sich nicht damit beschäftigen, kann es zu einer Revolution werden, weil es auf einmal Firmen geben wird, die keiner gesehen hat und die Geschäfte machen, die bis anhin noch keiner versteht. «Der Erfahrungsaustausch in der Gebäudetechnikbranche ist essenziell für die digitale Evolution» ist sich Christian Appert, Geschäftsführer der Amstein + Walthert AG sicher. Das Gebäude der Zukunft wird virtuell entwickelt, mit virtuellen Simulatoren getestet, durch die Nutzer virtuell bewohnt und mit diesen "virtuellen Ergebnissen" laufend optimiert, bevor es in der realen Welt gebaut wird. Die Datendurchgängigkeit über alle Disziplinen und über den gesamten Lebenszyklus bringt enorme Vorteile: So lässt sich die Zeit für die Gebäudetechnikplanung, spätere Umnutzung oder Erneuerung eines Gebäudes deutlich reduzieren, was Kosten, Energie und Ressourcen spart. Mit dem Einsatz von "Virtual Reality" lassen sich zudem Entwicklungsmodelle in einer vom Rechner erzeugten räumlichen Umgebung massstabsgetreu betrachten und besprechen, als wäre man vor Ort. 

Es geht nicht mehr darum die Wertschöpfungskette im gewohnten Ablauf zu perfektionieren. Alle im Projekt beteiligten Akteure müssen die Daten phasenübergreifend zur Verfügung stellen und auch nutzen können. Damit wird die Gebäudetechnikplanung zum digitalen Erfolg.

Keine bösen Überraschungen dank totaler Verfügbarkeit - Jederzeit von überall.

Spitalbauten sind nie gewöhnliche Bauprojekte, sei es vom Bauvolumen oder von der Komplexität der neu entstehenden Räume her.

«Insgesamt sind in diesem Bauprojekt 3'500 Räume geplant. Diese sind bis ins letzte Detail, bis zum Bodenbelag, der spitaltechnischen Einrichtung und der Türklinke, durchgeplant und in einer riesigen Datenbank festgehalten», erklärt Zafer Bildir weiter. «Wir realisieren dieses Projekt im höchsten Detaillierungsgrad Big BIM.» Der Architekt ist überzeugt von BIM als künftigem Planungsstandard und er ist nicht der einzige. Amstein + Walthert erlebt eine deutliche Nachfrage von Architekten und Bauherren nach konsequenter Projektarbeit mit BIM. 

«Wir haben so zu jedem Zeitpunkt die absolute Planungssicherheit, sehen alle Gewerke in 3D-Modellen und können diese Informationen allen Beteiligten zum gleichen Zeitpunkt topaktuell auf jedem Computer oder Tablet zur Verfügung stellen.» Genauso ist es mit der Planung der Termine und der Kosten.

Der Masterplan und ein flexibles Raumprogramm stehen über dem Gesamtprojekt

Der erstellte Masterplan soll möglichst kurze Wege für Patienten und Mitarbeitende sowie effiziente Patientenprozesse und Abläufe schaffen. Der Aufbau der Gebäude ermöglicht es, auf zukünftige Entwicklungen flexibel reagieren zu können. Wo heute ein Operationssaal steht, muss in zehn Jahren eine andere Nutzung der Räume möglich sein. Das war eine der wichtigsten Grundforderungen bei der Projektausschreibung.

Im Rahmen des Masterplans ist die umfassende Neugestaltung des Inselareals in mehreren Etappen geplant. Der Neubau im Baubereich 12 ist in seiner gestalterischen Anordnung von Gebäude, Park und Aussenräumen als eine Art «Stadt in der Stadt» konzipiert.

Mit seiner abgestuften Gebäudeform fügt sich der Neubau des Spitalgebäudes in den bestehenden räumlichen Kontext mit den zahlreichen kleineren Gebäuden ein und nimmt bereits Bezug auf die künftigen, grösseren Bauten. Der Bau wird 60 Meter hoch. Mit seinem geplanten Minergie-P-Eco-Standard ist das Gebäude ein Pionierprojekt. Dieser hohe Standard wurde für Spitalbauten bisher noch nie definiert.

Ein Projekt für die Zukunft

Eines ist klar: Die Erweiterung des Berner Inselspitals ist ein Leuchtturmprojekt. Mit Blick auf die kommenden Erweiterungen und Neubauten, etwa im Bereich des Universitätsspitals in Zürich, kann man von den jetzt in Bern gewonnenen Erfahrungen in Planung und Bau mit BIM als System nur profitieren. «Spannend für uns war und ist die Umsetzung in der Praxis. Besonders erwähnenswert sind der interdisziplinäre Datenaustausch mittels Attributen-Datenbank sowie parallel dazu die Eigenentwicklung von Werkzeugen für die Generierung sämtlicher BIM-Grundlagen für Flächenpläne und GA-Grundrisse, Kanal-/Leitungsnetz-Dimensionierung, Steigschachtreserven-Verwaltung, koordinierte Anlagenbeschriftung, GA-Bezeichnungskonzepte» sagt Robert Porsius. Amstein + Walthert freut sich auf die kommenden Phasen im Inselspital Bern und die künftigen Projekte in der übrigen Schweiz. Wir sind bereit für weiteres BIMen.

Quellen: smart-leben.ch (Werner Müller) und Amstein+Walthert AG